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Von Wahlverlierern und der Jagd im Gingkopark
Starkbierfest mit Politiker-Derblecken der Theatergruppe Alkofen kam bestens an
Die Bürgermeister und Stadtratswahl bestimmte, wie nicht anders zu erwarten, das kabarettistische Programm des Starkbierfestes 2009 der Theatergruppe Alkofen. Zweimal haben im jeweils ausverkauften Gutsmidl-Saal die Akteure, musikalisch begleitet durch die Trachtenkapelle Fürstenzell, einen kurzweiligen Abend geboten, für den sie von allen Seiten verdientes Lob ernteten.
Bruder Bene (Albert Irgenfried) hatte gut daran getan, seine Fastenpredigt nicht zu einem endlosen Monolog werden zu lassen. Sie wurde immer wieder unterbrochen von Videoeinspielungen, Sketchen und pfiffigen Werbeeinblendungen. Wenn auch bei dem einen oder anderen „Derbleckten“ das Lachen etwas gequält ausfiel – es war nur ein Indiz dafür, dass der Nagel auf den Kopf getroffen wurde.
Der erste Gag kam ganz am Anfang: Als Bürgermeister Georg Krenn zum unvermeidlichen Starkbier-Anstich gebeten wurde, stand zunächst nur eine Fünf-Liter-Bierdose vor der Bühne – eine Anspielung auf sein „spritziges“ Anzapfen beim Starkbierfest im Wolferstetter Keller. Aber dann brachte der Bürgermeister den Anstich eines richtigen Fasses doch ganz gut hin und konnte sich des Lobes von Bräu Georg Huber, Altbürgermeister Hans Gschwendtner, 3. Bürgermeister Siegfried Piske, des Hofkirchener Bürgermeisters Willi Wagenpfeil und von Landrat Franz Meyer gewiss sein. Später gesellten sich noch die Landtagsabgeordneten Walter Taubeneder und Eike Halitzky zu denen, die in den Genuss einer namentlichen Begrüßung kamen. Erst einmal zog Bruder Bene die Verlierer der Bürgermeisterwahl der Reihe nach genüsslich durch den Kakao, erinnerte sich daran, dass nach der Wahl der Nochamtsinhaber noch einmal mächtig losgelegt habe. „Er hat g´moant, er muss jetzt in acht Wochen alles regeln für die nächsten zwölf Jahr, bis der Gödel Bürgermeister wird.“ Im Sketch über die Amtsübergabe von Gschwendtner (Ernst Klier) an Krenn (Alfred Keim) wechselten neben dem Diensthandy auch drei Koffer den Besitzer. Ein kleiner mit der Stadtkasse, ein mittlerer für die bekannten Schulden und ein großer für die bisher unbekannten.
Präsentiert wurden den Besuchern die Klosteracker-News: Nach dem Bauboom der letzten Jahre auf dem Klosteracker (zehn Häuser in zehn Jahren) gibt´s jetzt den Baugrund zu Schnäppchenpreisen. Und die Pleintinger Stadträtin Waltraud Desch sitzt für viele Pleintinger für die verkehrte Partei im Stadtrat, „denn mit der CSU haben´s die Pleintinger sowieso nicht und der einzige SPD-Stadtrat, der kümmert sich jetzt lieber um die Vilshofener Fußballer – Grün-Weiß steht ihm eh viel besser als Rot.“ Und dann der Piske Siegfried und seine Lieblings-Feindin, die Huber Sigrid. „Wenn der Sigi nur an Husterer tut, hat die Sigrid schon den Mundschutz um.“ Ernst Klier, brillanter Gschwendtner-Darsteller der letzten Jahre, ist durchaus nicht arbeitslos geworden. Nur agiert er jetzt nicht mehr als Hans Gschwendtner sondern als Hals Rentner, der rasende Reporter von Theater Alkofen TV. Als solcher agierte er auch in den köstlichen Video-Einspielungen, die erstmals ins Programm aufgenommen wurden. Der Reporter besuchte Pleinting („einen seit Jahren stillgelegten Ortsteil von Vilshofen“) und belegte mit trostlosen Bildern, wie dringend dort die Dorferneuerung wäre („die Dorferneuerung steht vor der Tür, wird aber nicht hereingelassen“). Gescheiter wäre es fast, man würde statt der Dorferneuerung die Aufnahme ins Programm für Flächenstilllegung beantragen. Und zum Schluss wurden dem Reporter noch die Räder vom Einsatzfahrzeug geklaut. Viel besser erging es ihm da in Schönerting („schön, schöner, Schönerting“), dem blühenden Ortsteil mit seiner „Schoß Elysee“, so dass zum Schluss die Frage, warum der Bürgermeister nicht in Pleinting wohnt, leicht zu beantworten war. Köstlich auch das technisch perfekt gemachte Video von der Hasenjagd im Gingkopark: Nachdem Krenn und Piske (Herbert Mittermeier) mit ihren Luftgewehren gegen die Nager nichts ausrichten können, greifen sie zu größerem Kaliber, brettern mit einem leibhaftigen Panzer (vom Bundeswehrmuseum in Hiendlöd) durchs Gelände. Erst damit ist ihnen das Jagdglück hold.
Der Brüller schlechthin war der Kurzfilm in dem Bürgermeisterkandidat Joachim Boiger (Sigi Lobmeier) nach seiner Wahlniederlage an der Schönertinger Vilsbrücke erklärt, dass es jetzt eh alles sinnlos ist, sich umdreht und zielsicher und „zutiefst deprimiert“ mit kompletter Polizeiuniform in der Vils verschwindet. Zum Schluss schwimmt nur noch die Mütze flussabwärts.
Auch am Thema Weinzierl-Erweiterung kamen die Hobby-Kabarettisten, die sich mit ihrem mittlerweile achten Starkbierfest-Programm beachtliche Routine angeeignet haben, nicht vorbei. Bürgermeister Krenn trug als Märchenonkel die Geschichte vom Wachsen des Sägewerks vor und ließ zwei kleine Holzwürmer Tiefsinniges von sich geben: Dass die Frauen in Thannet doch eigentlich dankbar sein müssten, denn nirgendwo haben sie so viel Holz vor der Hütt´n wie rund ums Sägewerk Weinzierl. Zum Schluss noch ein treffender Werbespruch für das expandierende Sägewerk: „XXXL Weinzierl! – bald auch in ihrer Nähe.“
Nicht fehlen durfte Gstänzlsänger Josef Mayerhofer, der die örtlichen Polit-Größen treffend aufs Korn nahm. Ebenso wenig fehlten die beiden Ratsch´n Edith Klessinger und Sieglinde Emmer auf ihrer Bank an der Donaupromenade, die ihren Senf zur Vilshofener Kommunalpolitik gaben: Dass „der Hans ja nia was versteckt hat, höchstens ausgelagert und der Krenn hat jetzt des Pech, dass er wieder alles einlagern muss“, dass „der Boiger nicht mehr beim Fischerstechen mittun darf, weil die Huber Sigrid nicht will, dass die SPD ganz untergeht“, dass „der Piske die Ypsilanti von Vilshofen ist, weil der nach der Wahl alles anders gemacht hat, als er vorher gesagt hat“ und dass man auf der Großbaustelle Schmalhof für drei Rohre eineinhalb Jahre gebraucht hat, „dafür is´in Albersdorf mit der Dorfsanierung aber ruckzuck ganga“. Zum Schluss wurde es musikalisch. Sigi Piske tantze (in vorsichtiger Andeutung seines mysteriösen Auftritts im städtischen Bauamt) einen „Tango-corrupti“. Und im Rathaus Wahlstudio durfen die Bürgermeisterkandidaten Georg Krenn (Alfred Keim), Joachim Boiger (Sigi Lobmeier), Siegfried Piske (Herbert Mittermeier), Brigitte Pollok-Will (Daniela Heitzinger) und Hansi Brandl (Stephan Käser), nachdem sie von Albert Asen (Stefan Süß) zu ihrem Walergebnis interviewt worden waren, das zu ihrem Wahlerfolg oder Misserfolg passende Lied singen.
Fazit: Die Besucher (und alle die für heuer keine Karten mehr bekommen haben,) freuen sich jetzt schon auf das Starkbierfest 2010.
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