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Betreiben Gschwendtner und sein Double jetzt das Zollhaus?
Starkbierfest der Theatergruppe Alkofen im Zeichen des Wahlkampfes und des Wechsels im Rathaus.
Dass das mit Spannung erwartete Starkbierfest mit dem dazugehörigen Politikerderblecken der Alkofener Theatergruppe vom in den letzten Zügen liegenden Kommunalwahlkampf dominiert sein würde, wussten natürlich die Besucher, die am Freitag und Samstag für einen ausverkauften Gutsmidl-Saal sorgten. Wie erwartet, ließen die Laienschauspieler kein Thema aus, das in den letzten zwölf Monaten die Gemüter bewegte. Von Plakatklebe-Hakeleien über den Schilderstreit am Taferlsee bis zur Schotterverladung kam alles dran, musikalisch umrahmt von der Fürstenzeller Blaskapelle. Entsprechend stark waren im Publikum die Mandatsträger und –bewerber vertreten. Weil bei der Premiere am Freitag die ÜW am stärksten Flagge gezeigt hatte, wurde sie auch von Albert Asen an erster Stelle begrüßt. Aber auch die anderen Parteien und Gruppierungen hatten sich reichlich mit Eintrittskarten eingedeckt.
Für Ernst Klier war dieses Starkbierfest ein denkwürdiger Anlass. Schließlich endete damit seine Karriere als Gschwendtner-Doppelgänger. Diese Rolle hatte er seit Jahren brillant gespielt und so lief er noch ein letztes Mal zur Hochform auf. In einem Soloauftritt vor dem Bühnenvorhang hielt er, an den Bürgermeister gewandt, eine geradezu herzergreifende, wenn auch nicht ganz ernst zu nehmende Abschiedsrede, in der er noch einmal die Höhepunkte seiner „Amtszeit“ als „zweiter 1. Bürgermeister“ anführte. Sie gipfelte in der Feststellung, dass es ihm schon sehr weh getan habe, „dass ich mich nie ins Goldene Buch der Stadt eintragen durfte.“ Nachdem nun beide, der Amtsinhaber und sein Doppelgänger, in Ruhestand gehen, könnten sie doch, so schlug Klier vor, von der ersten Pensionszahlung das Wittelsbacher Zollhaus kaufen und es gemeinsam betreiben. Mancher wusste nicht, ob es ihm vor Lachen oder Rührung die Tränen in die Augen trieb, als den beiden das Abschiedsständchen gesungen wurde: „Nehmt Abschied, Brüder ungewiss ist meine Wiederkehr, die Zukunft liegt in Finsternis, und macht mein Herz mir schwer.“ Und nach dem Refrain „Das Rathaus ist nun ohne mich, ade auf Wiedersehn. Was wird dann sein, das frag ich mich, lebt wohl auf Wiedersehn“, kannte die Rührung keine Grenzen mehr.
Eingangs hatte Bruder Bene (Albert Irgenfried) in erster Linie den Bürgermeisterkandidaten die Leviten gelesen, war auf das Wettzapfen der Kandidaten beim Vilshofener Volksfest eingegangen („wenn der Boiger Josch bei der Polizei so oft daneben schießt, wie er da daneben gehauen hat“) und sich seine Gedanken zum seiner Ansicht nach langweiligen Landratswahlkampf gemacht. „Fünf Kandidaten können nix tun, einer braucht nix tun, nur staad halten. Gell Franze, Landrat werden is bestimmt leichter als wie Staatssekretär.“ Der Streit um die Vilshofener Schotterverladung wurde nicht ausgelassen. Der Rat des Fastenpredigers an den Bürgermeister: „Wenn man die Verladung in Pleinting macht, bleibt´s doch eh in Vilshofen und dahoam kriagst a koan Ärger.“ Ergänzend zum Carossa-Zimmer im Rathaus soll es in Zukunft auch ein Hans-Gschwendtner-Zimmer geben – mit einer viel bescheideneren Einrichtung. Ein Sitzball würde es auch tun, meinte Bruder Bene.
Eine illustre gemischte Saunagruppe mit Dame und Pfarrer (Herbert Mittermeier, Sigi Lobmeier, Birgit Irgenfried und Alfred Keim) deckte einige Probleme in der neuen Vilshofener Sauna auf, dann widmete sich Bruder Bene ausgiebig den Bürgermeisterkandidaten und erzählte von deren Sonderwünschen in Sachen Bootshafen: „Der Boiger hätt´gern eine Ampelregelung für ein- und ausfahrende Boote, Frau Pollok-Will tät gern einen Paddel-Service einrichten, der Brandl Hansi träumt von einer Slip-Anlage, der Piske besteht auf einer Hundeanlegestelle und der Krenn Georg möchte unbedingt ein Trockendock haben.“ Die beiden Promenadenratschn Edith Klessinger und Sieglinde Emmer hatten aus Gründen der Aktualität den Schauplatz ihres Gedankenaustauschs von der Donaupromenade an das Ufer des Taferlsees verlegt, erzählten von den Vorgängen um die umstrittenen Taferl und berichteten Interessantes vom Christkindlmarkt bis zum Vilshofener Neujahrskonzert: „Die Musi war so mitreißend, dass es die Moderatorin von der Bühne g´haun hat.“
Im Showteil schließlich hatte der Max-Lechner-Darsteller der letzten Jahre, Stefan Süß, die Rolle gewechselt, und moderierte in gewohnt toller Weise als Florian Silbereisen den „Vilshofener Rathausstadl“. Er ließ Georg Krenn (Alfred Keim), Hansi Brandl (Stephan Käser), Brigitte Pollok-Will (Daniela Heitzinger), Siegfried Piske (Herbert Mittermeier) und Joachim Boiger (Siegfried Lobmeier) als Gesangstars auftreten und sie musikalisch ihre Vorzüge anpreisen – was freilich nicht viel bewirkte. Denn Florian Silbereisen präsentierte eine Wählerumfrage, laut der jeder der Bürgermeisterkandidaten nur auf 20 Prozent kam. Deshalb schickte die TPA (Theater-Partei-Alkofen) zum Abschluss des Abends einen zusätzlichen Spitzenkandidaten mit 99,8 Prozent Wählervotum ins Rennen. Natürlich keinen geringeren als Ernst Klier, das legendäre Gschwendtner-Double.
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