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vom 19.02.2005-25. und 26.02.2005

Pressebericht aus dem Vilshofener Anzeiger

Vilshofen. Sie ist fließend und unsichtbar, die Grenze beim Politiker- und Promi-Derblecken zwischen Derbheit und Verletzung, zwischen Biss und Boshaftigkeit. Bleibt man zu weit drunter, dann zünden die Pointen nicht und es wird fad. Schießt man übers Ziel hinaus, kann man, zumal in einer Kleinstadt, allerhand zwischenmenschlichen Flurschaden anrichten.

Kompliment: Die Theatergruppe Alkofen hat sich bei der fünften Auflage des Vilshofener Starkbierfestes dieser imaginären Grenze des “Gerade-Noch” wieder ein Stück genähert, und zwar von der richtigen Seite und sehr zur Gaudi der Zuhörer. Sie bekamen zwar kräftig ihr Fett weg, die Protagonisten Ritter Hans von Gschwendten, Hofnarr Max, der Lächler, oder Hubert Heiß, der schlafende Stadtrat, doch echten Grund zum Grollen hatte keiner. Allen Grund zum Rollen (vor Lachen) hatten dagegen die rund 400 Zuschauer im Festzelt an der Kloster-Mondsee-Straße, wohin der Veranstaltungsservice A bis Z wieder geladen hatte. Traditionell hielt Fastenprediger Bene (Irgenfried), der Schweiklberger Geist, seine Bußrede. Er begann gleich mit einem Klaus-Rose-Seitenhieb, indem Bene wegen der politischen Ereignislosigkeit in Vilshofen seinen Rücktritt als Prediger erklärte, auf - nicht unwillkommenes - Drängen zweiter Mitspielerinnen aber gleich wieder den Rücktritt vom Rücktritt vollzog.

Viel ist beim mehr als dreistündigen Spektakel zu erfahren über den Jahreslauf rund um die größte Kleinstadt der Region. Etwa, dass die Polizei in Ortenburg eine Sau in der Wolfach erschoss, wohin das Tier auf der Flucht vor dem Metzger gesprungen war. Oder von der Reisewut von Bürgermeister Hans Gschwendtner, der mit dem Schiff in Budapest und mit dem Flieger in Frankfurt war sowie bald mit dem Jet nach Ägypten düsen wird - immer in Mission “seiner” Stadt.

In Ägypten übrigens, dass wissen die Alkofener Theaterspieler schon jetzt, wird Gschwendtner vom Krokodil Schnappi geschnappt. Letztlich wird Hans-Dampf-in-allen-Gassen zu orientalischen Klängen als Mumie ins Zelt getrage - natürlich mit Fliege am Hals.

Immer wieder unterbricht Bruder Bene seine Strafpredigt und die Alkofener Schauspieler treten zu witzigen und vor allem spitzfindigen Einlagen auf. Ein Brüller war zum Beispiel das Duett von Stadtrat Hubert Heiß mit seiner (angeblich) neuen Liebe Eisdielen-Chefin Monika Dwyer (herrlich kitschig gespielt von Stephan und Daniela Käser). Spätestens jetzt weiß die ganze Stadt von dieser bislang verborgenen Romanze. Dazu sangen Stefan Süß und Bianca Eglseder das umgetextete Lied “Himbeer-Eis zum Frühstück” (“Du, die Zeit vergeht im Flug/und ich kriege nie genung/von Dir und Deinen Eiscremsorten”).



 

Natürlich standen Hans Gschwendtner und “sein” Stadtrat im Mittelpunkt des bösen Spiels, zu dem diejenigen Kommunalpolitiker, die gekommen waren, pflichtschuldigst gute Miene machen mussten. So standen natürlich der wiederholte Führerscheinverlust von Edi Kurz auf dem Programm, die Bühnenverliebtheit von Max (“der Lächler”) Lechner oder das Finanz-Desaster von Hansi Brandl, der übrigens wieder den größten Applaus bei der Begrüßung erhalten hatte.

Fest zum Programm gehören auch die Gstanzln aus der Feder vom Dore Bepp, der laut Geburtsurkunde Josef Mayerhofer heißt. Der Alkofener beherrscht die hohe Kunst, dem Volk aufs Maul zu schauen und dieses in humorigen Vierzeilern mittels Mundart-Sprechgesang vorzutragen. Beispiel gefällig? “Den schwimmenden Christkindlmarkt,/den muaß ma respektiern,/bloß wundert mich oans,/dass net scho am Stadtplatz kassiern.”

Nach zweit Buspredigt-Durchgängen mit Einlagen gab es das traditionelle Singspiel zum Schluss. In Anlehnung an die bevorstehende 800-Jahr-Feier 2006 spielten die Alkofener Szenen aus dem Jahr 1206, als Ritter Hans von Gschwendten die Erhebung “seines verschlafenen Provinznestes” zur Stadt erreichen wollte.

Vor allem Hofnarr Max, der Lächler, meisterhaft gespielt und persifliert von Stefan Süß, sagt dabei Sachen, die damals wie heute niemand gerne hört. Doch es ist ja alles nur Spiel und Spaß und hat mit der Gegenwart nichts gemeinsam. Bestimmt nicht.

Jörg Klotzek

Und 2006 geht´s weiter!

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